Posterous theme by Cory Watilo

Museumsblogs – Plattformen und Systeme

In seinem Jahresrückblick nennt Sebastian Hartmann „The Return of the Blog“ als einen der Trends, die 2011 bei den Social Media-Aktivitäten der Museen zu beobachten waren. Auch in Deutschland gibt es zunehmend ambitionierte und erfolgreiche Museumsblogs für ein einzelnes Haus (z.B. SchirnMag), einen Museumsverbund (SKD Blog) oder auch zu einer Ausstellung (z.B. Victoria & Albert-Ausstellung der KAH Bonn).

Viele Häuser stehen nun vor der Frage, ob und in welcher Form sie dieses Instrument einsetzen sollen. Dabei geht es neben inhaltlichen Aspekten auch um die technische, organisatorische und wirtschaftliche Seite. Wie aufwendig ist die Einrichtung eines Weblogs? Was können wir selbst erledigen, wo brauchen wir professionelle Unterstützung? Wie verhält sich ein Weblog zu unserer Website?

Das Spektrum der Antworten auf diese Fragen ist ebenso vielfältig wie die technischen und konzeptionellen Möglichkeiten, die zur Realisierung eines Weblogs zur Verfügung stehen. Sie reichen von einem in wenigen Minuten eingerichteten Blog bei Tumblr oder Posterous bis zu einem ausgreifen Content Management System mit Blogfunktionalitäten.

Im Folgenden möchte ich zur Orientierung einige gängige Lösungen kurz vorstellen.

Eine erste Unterscheidung betrifft das Hosting des Museumsblogs: Ein Blog lässt sich auf der eigenen Domain betreiben oder auf einer (Mikro-) Blogging-Plattform wie WordPress, BlogSpot, Tumblr oder Posterous.

Bei den eigenständigen Blogs hat sich die Open Source-Software WordPress als Standard etabliert. Natürlich kann auch ein „normales“ Content Management System (CMS) wie Typo3 so erweitert werden, dass es die Funktionalitäten eines Weblogs erfüllt (Beispiel: Weblog des Deutschen Museums), sehr viel einfacher ist es aber, ein spezialisiertes System wie WordPress zu verwenden.

Prinzipiell ist es möglich, ein WordPress-Blog nahtlos in die Website des Museums einzubinden, auch wenn diese mit einem anderen CMS betrieben wird (Beispiel: Museum Neukölln).
Bei vielen Häusern tritt das Museumsblog jedoch als eine weitere, eigenständige Internetpräsenz in Erscheinung. Bei der Kunsthalle Schirn in Frankfurt sind die Homepage (Typo3) und das Blog SchirnMag (WordPress) klar voneinander getrennt, in ihrer Gestaltung aber eng auf einander bezogen. 

Schirn_vergleich_1

Screenshots Blog (links) und Website (rechts) der Kunsthalle Schirn

Eine der Stärken von Blogging-Systemen wie WordPress ist, dass unzählige kostenlose Design-Vorlagen – Themes – zur Verfügung stehen. Man startet nach wenigen Einstellungen mit einem professionell gestylten, voll funktionsfähigen Weblog. Diese Vorlagen lassen sich dann über CSS-Styles dem eigenen Corporate Design (CD) anpassen. Der Umfang dieser Anpassung ist wiederum frei wählbar. Möchte man nur das eigene Logo im Header einbauen und den Hintergrund ändern, reichen wenige Einstellungen im Redaktionssystem. Soll das hauseigene CD vollständig übernommen werden, können das CSS und die Templates der Installation von Grund auf überarbeitet werden.

Noch einfacher ist es, ein Museumsblog bei einem Blogging-Dienst einzurichten. WordPress bietet diese Möglichkeit (unter www.wordpress.com), was allerdings meines Wissens von Museen bislang kaum genutzt wird (ein Beispiel: Blog des Essl Museum, Klosterneuburg). Dagegen finden sich auf der Website des von Google angebotenen Konkurrenzsystems Blogger (unter www.blogspot.com) einige interessante Museumsblogs (Beispiel: Stadtmuseum Düsseldorf).

Die Möglichkeiten der Anpassung an das hauseigene Erscheinungsbild sind hier etwas eingeschränkt und/oder kostenpflichtig. Man bloggt unter einer fremden Domain, ist also nicht wirklich „Herr im Haus“. Dafür ist das eigene Blog über Social Media-Funktionalitäten wie „Liken“, „Folgen“ und „Rebloggen“ in die Community der jeweiligen Plattform eingebunden.

Dieser Aspekt steht bei Social Blogging-Diensten wie Posterous oder Tumblr im Vordergrund. Hier ist das Einrichten eines Weblogs tatsächlich in wenigen Minuten erledigt. Was die Anpassung des Erscheinungsbildes angeht, liegen die Unterschiede zu „ausgewachsenen“ Blogging-Systemen wie WordPress auch, aber nicht nur auf der technischen Ebene. Auch bei einem Tumblr-Blog lässt sich ein Theme wählen, können das CSS und die HTML-Templates editiert werden. Wichtiger scheint mir der kulturelle Unterschied: Beim Social Blogging ist die Zugehörigkeit zu der Plattform präsenter, das Ready-Made-Prinzip macht den Charme dieser Blogs aus. Deshalb ist es in diesem Umfeld völlig in Ordnung, wenn das eigene Blog aussieht, wie viele andere auch. Bei eigenständigen WordPress-Blogs gehört ein individuell angepasstes Design dagegen zum Guten Ton.

Auch bei der Gestaltung der Inhalte sind die Möglichkeiten bei Posterous und Tumblr gegenüber WordPress deutlich eingeschränkt. Die Redaktionsoberfläche ist auf das Wesentliche reduziert – und damit auch die Optionen für Layout und Funktionalitäten. Die Idee ist, dass man schnell und unkompliziert Texte, Bilder oder Videos posten kann, bei Posterous geht das sogar per E-Mail.

Gerade bei Tumblr ist es üblich, ein Bild (oder Video) in den Mittelpunkt zu rücken. Posts sind hier eher kommentierte Bilder als illustrierte Texte. Einige Museen folgen dieser Logik, etwa das Chicago History Museum, das jeden Tag ein historisches Foto publiziert, oder auch das Blog des Charleston Museum, bei dem die begleitenden Texte etwas ausführlicher ausfallen.

Chicago_history_museum

Screenshot Blog des Chicago History Museum

Posterous versucht dagegen, den Social Media-Aspekt stärker in den Vordergrund zu rücken, hat aber Schwierigkeiten, sich zwischen dem dynamisch wachsenden Konkurrenten Tumblr und den echten Sozialen Netzwerken wie Facebook zu behaupten.

Tumblr_vs_posterous

Quelle: Google Insights for Search

Fazit

Für Museen, die fest entschlossen sind, ihre Internetpräsenz durch ein Weblog zu ergänzen, ist ein selbst gehostetes WordPress-Blog die beste, weil flexibelste und leistungsfähigste Lösung.

Wenn die Bereitschaft (und das Budget) vorhanden ist, das Erscheinungsbild des Blogs umfassend an das eigene CD anzupassen, ist die Entscheidung, ob das Blog in die bestehende Website integriert oder eigenständig geführt wird, eine Frage der eigenen Vorlieben. Hält man sich dagegen eng an bestehende Themes, sollte das Blog von der Website getrennt werden.

Blogs bei den Social Blogging-Plattformen Tumblr und Posterous sind einfach und ohne großen Aufwand einzurichten. Deshalb bieten sie sich gerade zur Begleitung von Ausstellungen, Projekten oder Aktionen an – eine gute Gelegenheit, sich mit dem Bloggen vertraut zu machen.

Ein „ausgewachsenes“ Blog bei worpress.com oder blogspot.com zu führen, ist eine verbreitete, aber aus meiner Sicht nicht besonders überzeugende Lösung. Man spart sich lediglich das Hosting, das weder finanziell noch technisch besonderes aufwendig ist.

Michael Müller
Culture to go

Beispiele für Museumsblogs im deutschsprachigen Raum:

Posted by

| Viewed
times
Filed under: